Jeden Tag aufs Neue hast du mich freudestrahlend empfangen,
wenn ich nach dem Mittagessen im Kindergarten zu dir nach Hause kam.
Jeden Tag hast du ungeduldig und voller Vorfreude aus dem Fenster schauend
auf mich gewartet und mir beherzt entgegen gewinkt.

Meist war ich schneller als du an der Wohnungstür und habe darauf gewartet,
dass du sie öffnest. Deine Beine wollten nicht mehr so wie du,
deshalb haben wir uns oft schon durch die Tür unterhalten.

Wir haben es uns immer im Wohnzimmer gemütlich gemacht.
Du hast dir ein Mittagsschläfchen gegönnt, während ich ungeduldig
auf meine Lieblingssendung im Fernseher wartete oder mich auf Schatzsuche begab –
im und auf dem schweren Schreibtisch, im großen Schrank mit seinen quietschend knarrenden Türen,
im Spielzeugschrank und natürlich im Nähkasten, der eine große Dose voller Knöpfe bewahrte.

Als wären sie Edelsteine, habe ich sie bewundert.
Vier, drei, zwei Löcher oder sogar nur ein Loch hatten die wunderbaren Knöpfe
aus Holz, Metall, Plastik oder mit Stoff ummantelt, in allen Farben und Formen.
Stundenlang konnte ich sie sortieren, auffädeln, auftürmen, betrachten und erfühlen.
Besonders wertvoll waren die perlmuttglänzenden Exemplare,
die ich hegte und pflegte als wären sie aus Gold.

Doch all die Schätze konnten deine Glückseligkeit nicht aufwiegen, wenn ich bei dir war.
Ich war dein Schatz, den du hegtest und pflegtest.
Mit dem du Pläne geschmiedet und erfundene Geheimnisse geteilt hast.

Manchmal denke ich zurück an unsere liebevolle gemeinsame Zeit.
Oft kullern selige Tränen der Freude, aber auch des Schmerzes über meine Wangen.
Denn du bist eines Tages gegangen, ohne dass wir Abschied voneinander nehmen konnten.

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