Manchmal – so heißt jedenfalls die Redewendung – fühlt man sich „außen vor gelassen“. Aber steckt man dann nicht trotzdem mittendrin?
Mitten im Chaos aus Gefühlen und Gedanken und Sehnsüchten.
Was macht man, wenn man das Gefühl hat, sich entscheiden zu müssen?
Wägt man? Kann es nicht bleiben, wie es ist? Will ich, dass sich etwas ändert, verändert?
Was ist überhaupt mein Beweggrund?

Ich fühle mich gedrängt. –
Gedrängt in eine Ecke, aus der ich nur auf einem Weg rauskomme und mich trotzdem entscheiden muss, welchen Weg ich gehe.

Denn das Ziel des Weges lockt nicht gerade zum Gehen. Ich stehe mittendrin und bin doch außen vor.
Gehen oder bleiben? Oder gehen und bleiben. Bei dir.
Oder bleiben und deshalb gehen. Von dir.

Lock mich doch, damit ich nicht gehe –
auf dich zu. Und wieder zurück. Bedrängt.

Aber gehe ich, kann ich dann bleiben? Bei dir?

Und wenn. Wie ist es bei dir? Mit mir? Mit uns?

Denk dran. Es gibt ja nur einen Weg zurück.
Ein Weg zurück. Von dir.

Ich verstehe Menschenmonster nicht.
Sie gehen eine Beziehung mit dir ein, täuschen ihre Zuneigung zu dir vor, um ihre Zwecke zu verfolgen. Sie hintergehen dich jahrelang, um dich zu zerstören.

Manchmal scheint ihre Liebe echt. Wir klammern uns an sie wie an einen Strohhalm, damit wir nicht ertrinken, wenn uns ihre nächsten Wellen der Erniedrigung, der seelischen Messerstiche und grausamen Tiefschläge zu überrollen drohen.

Monstermenschen missachten deine Gefühle. Sie treten weiter auf ihnen herum, auch wenn du schon am Boden liegst. Sie wollen dich glauben machen, dass du für ihre Fehler verantwortlich bist, und baden genüsslich in deiner Enttäuschung, Verzweiflung, in deiner Scham und deiner Verletztheit.

Menschen sind Monster, wenn sie über dich lachen, weil du ihnen deine persönlichsten Geschichten anvertrauen willst. Sie sind Monster, wenn sie dir mitteilen, dass deine Freunde und deine Familie an letzter Stelle stehen. Sie sind Monster, wenn sie dich anschreien und dir den Mund verbieten.

Sie werden zu Monstern, wenn sie ohne eine Wort des Abschieds einfach aus dem Leben verschwinden. Dich wartend mit Sorgen um sie wie Abfall zurücklassen. Monstermenschen machen sich von heute auf morgen nach Wochen, Monaten und Jahren aus dem Staub, ohne Rücksicht auf dich.

Sie sehen es nicht: Wenn sie nicht mehr in deinem Leben existieren, existierst auch du nicht mehr. Weil du zweifelst, dich mit Fragen quälst, die nie beantwortet werden. Weil du dich ärgerst, traurig bist und einen Weg suchst, ohne das alles weiterzuleben.

Monstermenschen sind irgendwann einsame Wesen. Keiner will sie um sich haben und sie wollen keinen um sich haben. Verstehen werde ich sie nie.

Du willst wissen, was in mir vorgeht, aber ich frage mich trotzdem, ob es uns weiterhilft und ob du mich dadurch besser verstehen kannst. Egal, was wird, ich will ein offenes Buch für dich sein:

Kannst du mich nach folgenden Zeilen besser verstehen?
Hilft es uns weiter?
Warum reden alle von Liebeskummer, wenn ich erzähle, wie es mir geht?
Warum kenne ich dieses Gefühl von mir nicht?
Kann es Liebeskummer sein, obwohl ich nicht mehr als Liebe für einen sehr guten Freund empfinde?
War ich verliebt?
Warum empfinde ich aber nicht hundertprozentig solche Gefühle?
Hab ich was übersehen?
Warum kriege ich keine Ordnung in mein Gefühlschaos?
Warum fühle ich mich so kraftlos?
Warum merkt man erst dann, wie sehr man jemanden mag, wenn man ihn verliert oder schon verloren hat?
Warum bist du für mich da und warum fühle ich mich, als ob ich dich verloren habe?
Warum bist du mir manchmal so fremd, so plötzlich?
Warum kann ich mich nicht für dich freuen?
Wie kannst du das so klar trennen?
Warum verbringst du mehr Zeit mit mir, als mit ihr?
Warum willst du bestimmte Sachen erst gar nicht mit ihr ausprobieren?
Warum ging das schnell bei euch?
Seid ihr verliebt?
Warum mache ich mir Sorgen um, hm – „eure Beziehung“?
Warum habe ich ihr gegenüber ein schlechtes Gewissen, wenn du mit mir in den Film gehen willst?
Warum freue ich mich nicht einfach und sage: „Ja, sehr gern.“?
Warum denke ich da nicht an mich?
Wie kannst du mich ohne schlechtes Gewissen in den Armen halten?
Mit mir kuscheln?
Zärtlich zu mir sein?
Warum fühle ich mich so hin- und hergerissen zwischen dir und mir?

Man wächst im Leben.
Wie ein Baum, der jedes Jahr eine neue Rinde bekommt und die alten Sachen – genannt Erfahrungen – in sich einschließt und sie wie ein Geheimnis nach außen hin bewahrt. Je mehr Rinden neu hinzukommen, desto stärker wird man im Inneren. Und natürlich nach außen.
Trotzdem ist man stets verletzlich, denn ein Baum muss gegossen werden, damit die Rinde nicht abbröckelt. Und dieses Wasser können uns Freunde geben. Freunde spenden sich gegenseitig Energie, kitten die ein oder andere Stelle und spenden sich gegenseitig Schatten.
Die Feinheiten, die die Persönlichkeit des Baumes, also unseres Charakters ausmachen, sind die Äste und Wurzeln. Sie sind das Grundgerüst für unser Ich. Je stärker sie sind, desto bodenständiger und wir selbst sind wir. Und wenn man nicht stehen bleibt in seinem Wachstum, in seiner Entwicklung, wachsen stets neue Zweige, die irgendwann Äste werden, wenn wir es wollen.
Das Laub ist dann das, was übrig bleibt, was kurzlebig ist; die Eigenschaften, die abfallen, wenn wir sie nicht mehr tragen wollen oder können. Sie sollen verwittern, damit sie uns nicht schaden und lästig werden, damit sie uns neuen Nährstoff für unser Wachstum geben. Nur muss man zulassen, dass sie abfallen, da sie sich sonst unserer Energie berauben.
Wenn wir dann gut genug gediehen sind, werden wir Blüten tragen, als Dank uns selbst gegenüber. Als Lob für jeden Ast und jede neue Rinde, die wir selbst erworben und erhalten haben. Und dann tragen wir irgendwann Früchte, die wir mit gutem Gewissen zu Boden fallen lassen können, weil sie unsere Wurzeln enthalten und daraus neue Keime wachsen.
Und dann können wir zusehen, was wir Gutes erreicht haben. Doch zuerst sollten wir erblühen. Das sollte vorerst unser Ziel sein.