Manchmal tue ich mir selbst leid.
Wenn ich daran denke, wie ich aufgewachsen bin.
In einer zerrütteten Familie,
mit Eltern, die zusammenlebten
und doch getrennte Wege gingen.
Die kaum miteinander sprachen und Machtkämpfe führten.
Mit mir als wehrloses Opfer.

Immer wieder zogen sie mich in den Strudel.
Den Strudel aus Egoismus, Narzissmus und erpresserischer Liebe.
Lehnte ich die heuchlerischen Bitten ab,
wurde ich mit Missachtung und Ignoranz bestraft.
Ich brauchte Jahre, um das Schweigen zu genießen.
Damals tat es mir weh.

Aber ich musste und wollte stark sein –
für mich und meine Geschwister.
Wer, wenn nicht ich, konnte sie beschützen?
Ihre aufrichtige Liebe zu mir ließ mich am Leben.
Durch sie wusste ich, dass es Besseres gibt,
dass nicht ich alles falsch mache,
dass ich nicht von Grund auf schlecht bin,
wie es mir jahrelang eingeredet wurde.

Ich tue mir leid,
weil andere meine Zeit gestohlen haben.
Ein Jahr verkorkste Kindheit
sind doppelt so viele Jahre Erwachsenalter,
um all den Schmerz, das verlorene Lachen,
die schlechten Gedanken und unerfüllte Wünsche
zu verstehen, hinter sich zu lassen und neu anzufangen.

Es wird nie enden.
All die demütigenden Erinnerungen holen mich immer wieder ein.
Wie oft ertappe ich mich dabei,
dass ich Vertrauen vortäusche,
weil ich nicht vertrauen kann – aus Angst, aus reinem Selbstschutz.
Und dann zweifle ich.
An mir.
Weil ich mich als schlecht empfinde.
Weil ich so bin, wie ich nicht sein will.
Weil ich mich fühle, als wäre ich sie.
Wann kann ich endlich diesem Wahnsinn entfliehen?
Hoffnung, bleib bei mir.

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